Pressemitteilung vom 27.09.2017

Stark machen für gleiche Chancen in der Schule ─ Alle profitieren von individueller Unterstützung beim Lernen

Beim gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen geht es nicht nur darum, ob sie dieselbe Schule besuchen können, sondern sie brauchen auch individuelle Unterstützungen. Wie sieht eine Schule aus, in der niemand ausgegrenzt wird? Welche Voraussetzungen sind zur Umsetzung nötig? Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, erklärt dazu: „Neben den Ressourcen sind besonders Verständnis und Einfühlungsvermögen wichtige Schlüssel zur Teilhabe. Wer versteht, warum bestimmte Hilfsmittel oder Nachteilsausgleiche notwendig sind, wird erforderliche Lernmittel und Hilfen zur Verfügung stellen.“ Die Landesbeauftragte berichtet von einem Schüler mit Bewegungs- und Krafteinschränkungen, der mit Hilfe eines Mathematik-Softwareprogramms aktiv und selbstständig am Mathematikunterricht teilnehmen kann.

Grundlegend für eine gelebte Inklusion sind laut Wontorra auch auf Augenhöhe geführte Gespräche mit allen Beteiligten: Das sind, neben den Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Inklusionshelferinnen und Inklusionshelfer und ganz wichtig, die Schülerinnen und Schüler selber sowie ihre Eltern. Schulen und Politik müssen sich weiter stark machen für individuelle Lösungen und auf die Stärken von Kindern aufbauen. In der Schule lernen Kinder miteinander und voneinander und ergänzen sich. Davon profitieren alle. Auch Hochbegabung braucht Unterstützung. Schülerinnen und Schüler müssen in ihrer großen Unterschiedlichkeit angenommen und gestützt werden.

„Außerdem darf nicht in Frage gestellt werden, „ob“ Kinder mit Behinderungen an Klassenfahrten teilnehmen können, sondern es muss konkret um das „Wie“ einer gemeinsamen Ausgestaltung einer Klassenunternehmung gehen“, bekräftigt die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen und weist darauf hin, dass „kooperatives Verhalten dazu beiträgt, dass jedes Kind mit seinen Bedarfen und Bedürfnissen im Vordergrund steht“. Petra Wontorra weist darauf hin, dass die veränderten Herausforderungen in den Schulen vielseitige Ursachen haben. Dieses seien nicht alleine die fehlenden Ressourcen für gemeinsames Lernen. Viele weitere Faktoren forderten die Bildungslandschaft heraus. Die Anforderungen an Schule stiegen mit gesellschaftlichen Veränderungen, so Wontorra. Lehrkräfte dürften mit den hohen Ansprüchen nicht alleine gelassen werden. Sie bräuchten vielmehr für Ihren Einsatz im Bildungsbereich angemessene Unterstützung, Anerkennung und Wertschätzung.

Wie Inklusion gelingt und was man dazu braucht, hat ein Schüler der Jahrgangsstufe 7 mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf mit dem Förderschwerpunkt „körperliche und motorische Entwicklung“ in einem Brief an die Landesbeauftragte zusammengefasst:
I ntegration
N ähe
K ommunikation
L ernen
U nterstützung
S icherheit
I ndividualität
O rganisation
N achteilsausgleich

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) sollen die Vertragsstaaten sicherstellen, dass den „Menschen mit Behinderungen innerhalb des allgemeinen Bildungssystems die notwendige Unterstützung gewährt wird, um ihre erfolgreiche Bildung zu erleichtern“. Über Bedarfe klar zu sprechen und alle Beteiligten ausreichend zu informieren sowie die offene, zugewandte und lösungsorientierte Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Beeinträchtigungen seien wichtige Faktoren, damit im Unterricht alle Kinder individuell gefördert werden, wie es die UN-BRK einfordert. Um die Einbeziehung zu verwirklichen, weist Wontorra auf einen weiteren wichtigen Punkt hin: „Inklusion ist grundsätzlich eine Frage der Haltung“, unterstreicht die Landesbeauftragte und fordert Politik und Gesellschaft auf, sich für Rahmenbedingungen einzusetzen, die alle Menschen einschließen.

Kontakt: Petra Wontorra
Tel: 0511 120 4007
Fax: 0511 120 994007

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