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Grafschafter Nachrichten vom 26.04.2012

"Voneinander und miteinander lernen"

"Kommln" eröffnet - Landesbeauftragter Finke sieht großes Potenzial

Der Verein "Hilfen zur Selbsthilfe" Iud gestern Vormittag zur Eröffnung seiner neuen Begegnungsstätte ein. Das "KommIn" ist in seiner Form einzigartig und geht neue Wege in der Inklusion. Ab dem 2. Mai können dort Menschen mit und ohne Behinderung Kontakte knüpfen und sich austauschen.

Einladend wirken die großen Schriftzüge über Tür und Schaufenster. In breiten Lettern steht dort "Kommln". Der Name der neuen Begegnungsstätte des Vereins "Hilfen zur Selbsthilfe" ist eine Botschaft, die wörtlich verstanden werden solI. In der Lingener Straße ist ein Ort entstanden, dessen Türen ab Mittwoch, 2. Mai, für aIle geöffnet sind - egal ob mit oder ohne Behinderung. Dort solI sich einander mit offenen Augen begegnet werden, wie die Vorsitzende Gerda Focke betont.

Das Interesse am "treffpunkt für kommunikation & inklusion" ist groß. Bei der Eröff-nung blieb kaum einer der zahlreichen Plätze unbesetzt. Auch der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Karl Finke, war gekommen. In seiner Ansprache betonte er, dass die Begegnungsstätte großes Potenzial habe und sich die Idee über die Grenzen der Grafschaft verbreiten konnte. "Dies ist ein hervorragender Einstieg in das Jahr der Inklusion", betonte Finke.

Tatsächlich ist der Gedanke der Inklusion maßgebend in der Lingener Straße. Vereins-vorsitzende Gerda Focke lebt diese Idee bereits seit mehr als 20 Jahren. Schon Ende der 1970er-Jahre vermittelte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Menschen mit Behinderung in die freie Wirtschaft und ging dabei neue Wege. 1986 entstand der Verein "Hilfen zur Selbsthilfe". Der versucht Menschen zu unterstützen, im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben zu führen sowie am Leben in der Gesellschaft teilnehmen zu können.

Auf 280 Quadratmetern setzt der Verein nun seinen Weg fort und bietet mit dem "Kommln" einen neuen Ansatz zur Umsetzung der Inklusion. Die Begegnungsstätte sei in ihrer Art deutschlandweit einzigartig, meinte die zukünftige "Kommln" Leiterin Bernhardine van 0lfen. Die Angebote sollen breit gefächert sein. "Indem sie Freizeitangebote aufgreifen und tagesstrukturierende Angebote wahrnehmen, sollen die Besucher lernen, lebenspraktische Kompetenzen zu erwerben oder einfach nur ihrem Hobby nach- gehen zu können", erläuterte Gerda Focke. Vorträge, Single-Treff oder auch Schulungen sind zusätzlich geplant. Auch für Selbsthilfegruppen will der Treffpunkt seine Pforten offnen.

Gemeinsam solI erarbeitet werden, wo Bedarf besteht oder was gewünscht ist. Das Konzept sei auf die Mithilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. "Bereits jetzt haben sich viele angemeldet, die sich engagieren wollen", freut sich die Gerda Focke.

Das "Kommln" bietet viel Platz, ist barrierefrei angelegt und offen gestaltet. Die Räumlichkeiten sind so konzipiert, dass sie für die Bedürfnisse aller Lebensumstände Lösungen bieten - von der Kinderspielecke über Ruhebetten bis hin zum Raum für Beratungsgespräche. Im großzügig angelegten Kochbereich sollen zukünftig hauswirtschaftliche Fertigkeiten geschult werden. Besonders einladend sind die hölzernen Bänke vor dem Eingang der Begegnungsstätte. Auf dieser und einer hinteren Terrasse können gemeinsame Treffen in der Sonne abgehalten werden.

"Der Standort hat schon fast symbolischen Charakter", betonte Landrat Friedrich Kethorn. "Mitten im Leben - im Zentrum - gelegen, ist es fern vom Getto oder Stadt-rand."

Dies ist es, was der Verein mit seinem Treffpunkt in Zukunft erreichen will. Geöffnet für aIle, solIen sich die Besucher bunt mischen. "Es solI voneinander und miteinander gelernt werden", meint Bernhardine van 0lfen. Ein optimaler Nährboden also, um den Gedanken der Inklusion im Alltag wachsen zu lassen. "Der Verein ist sich sicher, dass diese Begegnungsstätte zu einer wichtigen Größe in unserer Region werden kann", meint Gerda Focke.

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Northeimer Neueste Nachrichten vom 10.05.2012

Wenn Anderssein normal ist

Den Menschen mit Behinderungen die Teilnahme am Alltag erleichtern, das ist die Forderung von Monika Nolting, Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderungen. Der ist 20 Jahre alt geworden, was mit einer Podiumsdiskussion ge-feiert wurde.

Eröffnet wurde die mit einer Schweigeminute in Erinnerung an die bei einem Brand verstorbenen 14 Patienten und Pfleger einer Behinderteneinrichtung in Titisee-Neustadt (wir berichteten). Für 60 Sekunden war es still in der Stadthalle.

Inklusion verwirklichen

Auf die Frage, was in 20 Jahren alles geleistet worden ist, konnte Nolting keine Antwort geben. Wohl weiß sie aber, was in Zukunft zu bewerkstelligen ist: "Wir müssen die Inklusion in Northeim verwirklichen." Was Inklusion ist, wurde mithilfe einer Powerpoint-Präsentation verdeutlicht: Inklusion ist, wenn alle mitspielen dürfen und wenn Anderssein normal ist.

Das sei in einer Stadt wie Northeim wichtig: Von den rund 29100 Einwohnern in der Stadt haben 2956 eine anerkannte Behinderung. Das sei fast "jeder Zehnte", sagte Nolting. Deren Teilnahme am gesellschaftlichen Leben müsse gewährleistet werden.

Ein besonders wichtiger Punkt seien die Schulen: "Wir müssen in die Diskussion, welche Bildungseinrichtungen erhalten bleiben und mit einbezogen werden", sagte sie. Die Sultmer-Schule zum Beispiel würde sich nicht für Menschen mit Behinderungen eignen: "Da ist schon der Weg hoch zur Schule mit seiner Steigung schlecht zu bewältigen." Auch bei Unternehmen und Betrieben gebe es noch eine Menge Arbeit: die möchten die Mitglieder des Beirates, bestehend aus Vertretern von Organisationen von Menschen mit Behinderungen, aus Ratsfraktionen und einem Vertreter der Stadt, in den nächsten 20 Jahren angehen.

Dass die Inklusion umfassend sein muss, forderte auch Karl Finke. Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen rief den Beirat in Northeim vor 20 Jahren ins Leben. Umso mehr freute es ihn, dass es ihn noch gibt. Damit das auch weiterhin so bleibt, hat der Beirat als Geburtstagwunsch einen kleinen Auftrag an ihn gerichtet: Finke soll sich dafür einsetzen, dass dem Beirat eine Art Bestandsschutz gewährleistet wird, "da uns die Verwaltung die Arbeit nicht leicht macht", erklärte Nolting, "aber die Fraktionen unterstützen uns."

Frauke Heiligenstadt (SPD) erklärte, dass das auch weiterhin so sein werde. Es sei wichtig, dass man die Menschen so nimmt, wie sie sind. Dafür brauche es Menschen wie die im Beirat, die sich dafür einsetzen: "Ich wünsche weiterhin viel Kraft und Durchsetzungsvermögen."

Forderungen des Beirates

Zum Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember 2012 hat der Northeimer Beirat für Menschen mit Behinderungen einen Forderungskatalog an die Verwaltung und die Fraktionen gestellt. Dieser sieht unter anderem vor, dass der Beirat frühzeitig in alle baulichen Maßnahmen eingebunden wird und diese abzeichnet. Zudem soll der Beirat wieder am Stadtmarketing beteiligt werden, ein Thema soll auch die Pflasterung in der Fußgängerzone sein.

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Meppener Tagespost vom 22.10.2012

"Es ist normal, verschieden zu sein"

Landesrat für Behinderte gibt den Kommunen Tipps für bessere Integration

Auf seiner Tagung im Meppener Kreishaus hat der Landesrat für Menschen mit Behinderungen erstmals eine Broschüre mit Handlungsvorschlägen zur Umsetzung der UNBehindertenrechtskonvention in den niedersachsischen Kommunen präsentiert.

Der Landesrat für Menschen mit Behinderungen ist der Zusammenschluss der kommunalen Behindertennbeirate und Behindertenbeauftragten, der im beratenden Ausschuss des Integrationsamtes vertretenden Verbände behinderter Menschen sowie des Netzwerkes behinderter Frauen. Aufgabe des Landesrates ist es, die Behindertenpolitik in den niedersachsischen Orten zu koordinieren.

Die 54 Seiten umfassende Schrift trägt den Titel "Es ist normal, verschieden zu sein". Nachdem der Bund bereits seinen Aktionsplan veröffentlicht und verabschiedet habe und die Landesregierung beabsichtige, ein entsprechendes Papier im Dezember zu diskutieren, seien nunmehr auch die Kommunen gefordert, erklärte der Landesvorsitzende Karl Finke. Er forderte die Städte und Gemeinden auf, in Zusammenarbeit mit den Behindertenbeiräten und -beauftragten ebenfalls entsprechende Pläne aufzustellen. Damit dieses gelingen kann, hat eine Arbeitsgruppe des Landesrates Vorschläge zur Umsetzung entwickelt.

In der Broschüre werden zunächst die zentralen Botschaften der Konvention vorgestellt und dann konkrete Umsetzungsvorschläge zu den Bereichen Teilhabe beziehungsweise Inklusion, Selbstbestimmung, Autonomie und Nichtdiskriminierung aufgeführt. Abschließend werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt.

Inklusion

Die Vorschläge, so Finke, könnten Richtschnur für das konkrete Handeln sein. Und sie sollten insbesondere die Menschen mit Behinderungen, die Kommunalpolitiker und alle an der Gestaltung der örtlichen Gegebenheiten Beteiligten motivieren, eigene Ideen zu entwickeln. Breiter Raum ist dem Thema Inklusion eingeräumt.

Hierauf ging auch die Sozialdezernentin des Landkreises Emsland Dr. Sigrid Kraujuttis ein. Soziale Inklusion beinhalte das Recht behinderter Menschen auf unbeschränkte Teilhabe und dürfe nicht auf Schulen und Kindergärten allein abgewälzt werden. Mit dem Hinweis auf entsprechende Einrichtungen und Angebote unterstrich sie, dass sich der Landkreis Emsland als Chancengesellschaft verstehe. "Wir sind hier auf einem guten Weg, Menschen mit Behinderungen mitzunehmen", sagte die Behindertenbeauftragte des Landkreises Ursula Mersmann.

Der Meppener Walter Teckert, Mitglied des Landesbehindertenbeirates, ging auf das Qualifizierungskonzept für Lehrkräfte im Rahmen eines inklusiven Schulsystems ein. Die entsprechenden Maßnahmen dauerten in der Regel 18 Monate. Insgesamt 80 Sonderpädagogen und 1500 Lehrer verfügten bereits über die zusätzlichen Kompetenzen. Weitere 600 würden noch geschult, erklärte Teckert.

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Salzgitter Zeitung vom 03.12.2012

Stadt entwickelt Aktionsplan für Integration

Behinderten-Beirat diskutierte mit Verwaltung und Politik über die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention

"Salzgitter ist bei der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention anderen Kommunen voraus": Das bescheinigte der Landessbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Karl Finke, der Stadt bei einer Podiumsdiskussion. Die Verwaltung arbeitet bereits an einem vom Rat gewünschten Aktionsplan.

Zwei Themenbereiche standen im Blickpunkt der gut besuchten Diskussion: Bildung und Arbeit. In beiden Fällen, so forderte der Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderungen, Hans Eisfeld, müssten behinderte und nicht behinderte Menschen gleichermaßen teilhaben können. Noch wichtiger sei es allerdings, in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Zudem sei es notwendig, die Betroffenen einzubeziehen und nicht immer nur über sie zu sprechen.

Die Leiterin des Fachdienstes Soziales und Senioren, Katharina Wunderling, konnte berichten, dass sich ihr Fachdienst mit dem Aktionsplan befasse. „Wir haben dabei eine Menge dazu gelernt." So sei zum Beispiel entschieden worden, zugunsten von Interviews auf eine Umfrage zu verzichten. "Was barrierefrei heißt, beurteilt doch jeder anders", so Wunderling.

Zum Thema Bildung plädierte Beiratsmitglied Donald Cameron dafür, Inklusion, die Integration Behinderter, schon in der Krippe zu praktizieren. "Wenn die Kinder dann bis zur Grundschule zusammenbleiben, gibt es viel weniger Probleme", ahnte Cameron.

Landesbeauftragter Finke sprach sich dafür aus, Behinderte auch besser in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Möglichkeit, sich über eine Abgabe davor zu drücken, müsse gestrichen werden.

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HALLO Mittwoch - Die lokale Wochenzeitung Northeim vom 30.05.2012

Wege zur Inklusion

Wie die UN-Menschenrechtskonvention im Landkreis umgesetzt wird

Das Thema Inklusion bewegt die Gemüter: Zum einen gibt es die Vorgaben der UN-Menschenrechtskonvention, sie spätestens 2013 umzusetzen. Zum anderen fehlen aber bislang in vielen Bereichen die konkreten Vorstellungen, wie Inklusion praktikabel realisiert und finanziert werden kann. HALLO sprach mit Vertreterinnen und Vertretern aus Schulen, Behindertenbeiräten und dem Kreisschulelternbeirat, wie sich Inklusion im Landkreis darstellt. „Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Integration und Inklusion zu kennen, um die Konvention bekannt zu machen, damit sie gelebt werden kann und sich mit Leben füllt“, erklären Michael Till, Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Northeim und Monika Nölting, Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt Northeim. Ein gutes Beispiel auf Stadtebene ist die Schule am Sultmer, die seit Jahren in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kindergarten in der Einbecker Landstraße schon vor dem Schulbeginn intensiv zusammenarbeitet und die Wege für die zukünftigen Schülerinnen und Schüler ebnet bzw. langfristig vorbereitet. Das hat den Vorteil, dass sowohl die Schule als auch die Kita langfristig planen können, die Eltern mitgenommen werden und auch die Betroffenen selbst inklusiv beteiligt werden. Gelebte Inklusion spiegelt sich auch beim Ferienspaß, der jedes Jahr Angebote für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren bereit hält, wider. Seit dem vergangenen Jahr wurde in einem Testlauf begonnen, Angebote barrierefrei zu machen, sobald es dazu eine Nachfrage gibt. Barrierefrei heißt hier aber nicht nur, Alternativen zu Treppen zu finden, sondern auch Hör- und Sehbehinderte und andere gehandicapte Menschen einzubeziehen. Gelungene Inklusion zeigte im vergangenen Jahr auch die Wochenendfreizeit auf dem Schulbauernhof in Hevensen von Familien mit behinderten und nichtbehinderten Kindern. „Es war völlig egal, ob eingeschränkt oder nicht. Es war für jeden etwas dabei und jeder denkt sicher noch heute gern daran zurück“, berichten die Teilnehmer. „Inklusion muss bekannt gemacht werden, nicht nur in diesem einen Jahr. Dazu bedarf es eines längeren Zeitraumes, unterschiedlicher Veranstaltungen, Vernetzung mit den Verantwortlichen in den Landkreisen und Städten sowie in den Einrichtungen, wo es um Belange von Menschen mit und ohne Behinderung geht. Denn auch Senioren, verunfallte Menschen oder Eltern mit Kindern profitieren davon“, fordern Till und Nölting. „Aktuell wäre hier der geplante Bewegungspark am Wald zu nennen. Wenn es hier geschafft wird, auch eine behindertengerechte Toilette zu errichten, wäre dies ein gutes inklusives Modell.“

„Inklusion ist in nahezu allen Bereichen möglich, um sie sinnvoll zu gestalten und später auch in der Lage zu sein, die Mittel abrufen zu können, bedarf es aber eines Aktionsplanes“, fordern Till und Nölting. Zudem sei eine Prioritätenliste nötig, um festzulegen, wo mit wenig Aufwand etwas umsetzbar ist. Beispielsweise bei der geplanten Gestaltung der Fußgängerzone und damit der Umgestaltung des Asphalts wäre Inklusion möglich und sei zwingend erforderlich. „Wir halten es für falsch, erst einmal das Pflaster auszutauschen und dann über die Gestaltung nachzudenken. Die Pläne müssen vorher fertig sein und alle sollten daran beteiligt werden. Das ist gelebte Inklusion für jede und jeden zum Anfassen“, betonen die Behindertenbeauftragten. Klärungsbedarf gibt es auch noch im Bereich der Schulen und Förderschulen. „20.000 bis 25.000 zusätzlich ausgebildete Leute werden in Niedersachsen für die Inklusion gebraucht“, erklärt Manfred Schön, Schulleiter der Schule am Wieter, einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung. Werner Bürmann, Geschäftsführer der Werkstatt-Schule, führt an, dass, um eine Inklusion vollständig umzusetzen, strukturelle Veränderungen notwendig seien. Gerade Kinder der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung brauchen eine besondere Betreuung. Für die nächsten acht bis zehn Jahre sehen Schön und Bürmann den Bestand der Schule am Wieter, in der die Schüler fit gemacht werden für den Weg zurück in die Regelschule oder einen Abschluss erlangen können, für gesichert. Erste Erfahrungen mit der Inklusion sammelt derzeit auch die Northeimer Gutenbergrealschule. In der Klasse 5 a haben vier Schüler eine Lernschwäche. Die Schüler nehmen normal am Unterricht teil, dürfen aber zum Teil andere Aufgaben bearbeiten oder mit der Förderschullehrerin Susan von Meien-Vogeler in den Übungsraum ausweichen, erklärt Klassenlehrerin Ingeborg Zeidler. Von Meien-Vogeler wird pro zu betreuendem Schüler für je drei Stunden abgestellt. Zu wenig, wie die beiden Lehrkräfte deutlich machen. „Die Betreuung müsste permanent erfolgen“, sind beide sicher. Ein weiteres Problem seien die Räumlichkeiten, die für Inklusionsklassen zur Verfügung gestellt werden müssen. „Die Politik müsste da viel mehr Unterstützung leisten“, fordert Zeidler, denn von Inklusionsklassen profitieren Schüler, Lehrer und Eltern. Da diese Klasse eine deutlich geringere Schülerzahl aufweisen, in die 5 a gehen 15 Schüler, können die Lehrer auf individuelle Probleme der Kinder viel besser eingehen, Stärken mehr fördern. „Außerdem ist das soziale Klima in der Klasse vorbildlich. Alle Schüler kommen gut miteinander aus“, lobt von Meien-Vogeler. Im kommenden Schuljahr werde es erneut eine Inklusionsklasse geben, nicht nur weil der Gesetzgeber es so vorschreibt. Auch die Schüler zeigen sich in ihrer Einstellung Menschen mit Einschränkungen gegenüber äußerst vorbildlich für ihr junges Alter. „Jeder ist gleich, hat aber auch seine Schwäche, deshalb gehören wir alle dazu“, sagt Paulina. „Wir sind alle Menschen. Da soll man niemanden ausschließen“, fügt Ahmet an. Als anders oder besonders sieht sich die Klasse 5 a nicht und wird auch nicht so betrachtet. Ein bisschen Vorbild aber steckt doch in ihr. „Es ist toll, dass wir keine Unterschiede machen“, lobt Paulina. Kreisschulelternbeirat Detlef Rengshausen gibt zu bedenken, dass die Inklusion nur mit einem verstärkten finanziellen und personellen Mehraufwand zu schaffen sei. Er fordert aber, die Inklusion voranzutreiben, denn sie stelle durchaus eine Chance da. „Menschen mit Handicap dürfen der Gesellschaft nicht verloren gehen“, betont er.

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Oldenburgische Volkszeitung vom 20.08.2012

Lobby für Behinderte

Limke stellt Arbeit des Kreis-Behindertenbeirates vor

Vorsitzender des Beirates war Gast bei der Selbsthilfe "Hilfe nach Krebs".

Über die Arbeit des Beirates für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Vechta informierte sich jetzt die Selbsthilfegruppe „Hilfe nach Krebs“ im Rahmen einer Halbtagesveranstaltung im Niels-Stensen-Haus (Vechta). Eingeladen hatte die Vorsitzende der Gruppe, Agnes Lührmann-Diers.

Der Vorsitzende des Beirates, Horst Limke, erklärte die Aufgaben des Beirates, der unter anderem bei der Genehmigung von Bauvorhaben im Kreis oder in kreisangehörigen Kommunen auf die Einhaltung von Vorschriften in Bezug auf die Behindertengerechtigkeit achtet.

Aber auch Einzelfälle von Behinderten stünden immer wieder auf der Tagesordnung des Beirates, berichtete Limke. Oft gehe es um die Ansprüche aus dem Sozialrecht, um das Unterbringungs- und Heimrecht, Hilfe für Behinderte bei der Arbeit oder Anträge an Schulen.

Limke betonte die Wichtigkeit des Auftretens und der Hinzuziehung des Behindertenbeirates in öffentlichen wie politischen Gremien. Hohe Präsenz biete die Möglichkeit, im Interesse der Behinderten bereits frühzeitig Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.

Um ihre Einflussmöglichkeiten zu verstärken, haben sich bestehende Behindertenbeiräte der Kreise in Bezirks-Beiräten organisiert. Dies diene auch dazu, im Landes-Behinderten-Beirat mehr Einfluss zu gewinnen. Über die bessere Zusammenarbeit mit dem Landes-Behindertenrat könne auch die Arbeit von Landesbehindertenvertreter Karl Finke stärker unterstützt werden.

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Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 12.05.2012

Behindertenbeirat feiert 15. Geburtstag

Mohrs sagt weiterhin Unterstützung zu

Seit 15 Jahren setzt sich der Behindertenbeirat für Menschen mit Handicaps ein – das Jubiläum feierte er gestern in der Caritas-Begegnungsstätte Föhrenkrug. Vertreter aus Politik, Verwaltung, Vereinen, VW-Schwerbehindertenvertretung, Autostadt und Mitgliedsorganisationen gratulierten.

Der Behindertenbeirat trägt in seinem Logo den Satz „Ein Name steht für Ziele“ – diesem Leitspruch sei er immer gerecht geworden, lobte Landesbehindertenbeauftragter Karl Finke. Wolfsburg sei stets Vorreiter gewesen, wenn es darum geht, den Alltag von Menschen mit Handicaps zu erleichtern. „Darauf können wir stolz sein“, so Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Die Stadt werde die Arbeit des Behindertenbeirates auch in Zukunft unterstützen.

Breite Unterstützung sei wichtig, erklärte der zweite Vorsitzende Jürgen Türke. Die habe es in Wolfsburg stets gegeben: „Wir laufen offene Türen ein“, so Vorsitzende Heike Werner. Hilfe von allen Seiten ist auch nötig, um so genannte Inklusion im Sport zu erreichen. Inklusion bedeute nicht nur Sportangebote behindertengerecht zu machen, sondern reiche weiter: Das gesellschaftliche System müsse so geändert werden, dass Menschen mit und ohne Handicaps gleiche Chancen haben. Wie das geht, erklärte Referent Frank Eichholt am Beispiel seines Projektes „LinaS“.

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Nordwest-Zeitung Oldenburg vom 05.12.2012

Regionalgruppe will mehr Einfluss nehmen

TAGUNG Behindertenbeirate aus Nordwesten diskutieren mit Landesbeauftragtem über strukturelle Probleme

Die Mitglieder sind mit der mangelnden Einflussnahme auf Landesebene unzufrieden. Sie sehen die Interessen von behinderten Menschen "fremdvertreten ".

"Wir wollen weg vom Katzentisch und rein in die Runde der Entscheider!" Ulrich Gödel, Behindertenbeauftragter der Stadt Delmenhorst, machte seinem Unmut am Dienstagmorgen in der Gaststätte Moritz in Wüsting Luft. Stellvertretend für die Regionalgruppe Nordwest der Behindertenbeiräte und -beauftragten sagte er: "Wir haben auf Landesebene zu wenig Einfluss. Die Strukturen müssen sich künftig ändern."

Zu der Tagung der Regionalgruppe hatte Hans Sperveslage, Kreisbehindertenrat im Landkreis Oldenburg und Sprecher der Nordwest-Gruppe, einen Gast eingeladen. Karl Finke, Behindertenbeauftragter der Niedersachsischen Landesregierung, nahm Stellung zu der aktuellen Situation, diskutierte über Probleme und Zukunftsaussichten und versuchte, mit den Mitgliedern Lösungen zu finden.

Fehlende Regelungen

Im Mittelpunkt der Diskussion stand dabei die fehlende Möglichkeit für Behindertenbeiräte und -beauftragte, auf Landesebene entscheidenden Einfluss zu nehmen. Seit 16 Jahren würden sich behinderte Menschen auf Landesebene für unsere Belange einsetzen, berichtete Sperveslage, doch: ,,Im niedersächsischen Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ist die Bildung von Beiräten in Landkreisen und kreisfreien Städten geregelt, jedoch nicht auf Landesebene." Der Landesbeirat vertrete überwiegend die Interessen nur indirekt und arbeite dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen zu. Der Landesrat sei aber in diesem Gremium nicht vorgesehen. "Die Fremdvertretung der Interessen behinderter Menschen ist nicht zeitgemäß und sollte umgehend geändert werden", so Sperveslage. Diesen Standpunkt haben die Sprecher der Regionalkonferenzen Niedersachsen im November•auch in einem Schreiben den Landesgeschäftsstellen der Parteien deutlich gemacht und inzwischen von verschiedensten Seiten positive Reaktionen bekommen, berichtete Sperveslage den Mitgliedern und Karl Finke.

Strukturen aufbrechen

Finke reagierte verständnisvoll auf die Anregungen. Es sei wichtig, im kommenden Jahr alte Strukturen aufzubrechen. Der Status von Beiräten und Beauftragten müsse aufgewertet, der Zugang zu den Entscheidungsebenen hergestellt werden. Finke mahnte aber auch an, dass sich die Regionalgruppe erst gezielt organisieren und Verantwortlichkeiten klären müsse. "Denkt dran, dass ihr euch nicht überbürokratisiert."

Hans Sperveslage betonte, dass man in den kommenden Wochen Treffen plane, in denen das Vorgehen geplant werden solle. Bis sich der neue Landtag 2013 konstituiert habe, sei noch Zeit. "Wir wollen alle Möglichkeiten klären, wie wir uns effektiver auf Landessebene einbringen können."

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Oldenburgische Volkszeitung vom 31.05.2012

Kein Raufkommen für Rollifahrer

Er fühle sich manchmal, als kämpfe er gegen Windmühlen sagt Horst Limke. Er ist Vorsitzender des Behinderten-Beirats beim Kreis und sieht noch jede Menge Handlungsbedarf in öffentlichen Gebäuden.

Als es in der vergangenen Woche in Steinfeld darum ging. ob die Gemeinde einen Beauftragten für Senioren und einen für Behinderte braucht, hat Horst Limke den Bericht aus dem Ausschuss in der OV aufmerksam gelesen und sich geärgert. Über die Aussage von Bürgermeisterin Manuela Honkomp, dass es in Visbek einen Behindertenbeauftragten gebe, der seit Jahren keine Aufgabe habe. Zum einen handele es sich seiner Meinung nach um Goldenstedt, das als einzige Kommune im Kreis einen solchen Beauftragten habe, zum anderen könne er sich nicht vorstellen, dass der nichts zu tun habe, sagt Limke.

Er selbst ist seit drei Jahren Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung beim Kreis Vechta. "Täglich drei Stunden" befasse er sich mit den Belangen von Behinderten, sagt der Lohner. Er ist erster Ansprechpartner für alle, wenn es um dieses Thema geht. Limke arbeitet eng mit Werner Mucker zusammen, der beim Kreis unter anderem in Sachen behindertenngerechte Bauvorhaben Ansprechpartner für die Kommu- nen ist. An ihn hatte sich auch die Gemeinde Steinfeld im Zuge ihrer Hallenbad-Sanierung gewandt. Allerdings erst in einem zweiten Schritt der Planung. "Wir hatten das erst nicht im Blick", sagt Bürgermeisterin Honkomp. Später habe man sich entschlossen, die behindertengerechte Ausstattung, die mit der Rampe am Eingang beginnt, auch im weiteren Teil des Bades durchzuziehen. Dazu kontaktierte die Verwaltung Werner Mucker. Dieser rückte mit Horst Limke zum Ortstermin an. Beide fanden schnell diverse Lösungen für Umkleidekabinen, Zugang zum Becken und Du-schen.

Doch genau an diesem nachträglichen Vorgehen stößt sich Limke: "Die Inklusion wird im Kreis bislang nicht Ernst genommen", sagt der jahrzehntelange Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Lohne/Dinklage. Er habe im Vorfeld versucht, einen Termin mit der Steinfelder Verwaltung zu bekommen. Das habe nicht geklappt. Dabei wäre es doch viel einfacher und kostengünstiger gewesen, die Pläne direkt behindertengerecht zu machen, anstatt sie im Nachhinein zu ändern, sagt Limke. Von der Terminanfrage weiß Bürgermeister Honkomp nichts. "Das hätte ich ja nicht abgewimmelt", sagt sie, betont aber auch, dass für die Gemeinde Werner Mucker der offizielle Ansprechpartner sei. "Das Konzept ist dann nach und nach entstanden."

Er fühle sich manchmal, als kämpfe er gerade bei den Kommunen gegen Windmühlen, sagt Limke. "Nehmen wir doch mal das Kreis-Schwimmbad in Lohne. Wie viele Eingaben dort schon für einen behindertengerechten Zugang zur Sporthalle in der oberen Etage gemacht wurden. Passiert ist nichts." Viele öffentliche Gebäude im Kreis seien einfach immer noch schlecht für Behinderte ausgestattet.

Das fange bei den Rathäusern an, deren Trauzimmer oft im ersten Stock lagen, ohne Aufzug. Für viele sei es beschämend, sich von Helfern eine Treppe hochtragen zu lassen. Die Liste setze sich fort: Blinkanlagen ohne akustische Signale, fehlende Zugänge zu Tribunen in Sporthallen. Manchmal seien es aber auch nur Kleinigkeiten, die das

Leben für Behinderte erleichtern können. Haltegriffe in der Dusche oder auf der Toilet-te. "Das kostet doch nicht wer weiß was", sagt Limke.

Derzeit kommt der Kreis nur dann ins Spiel, wenn es um die Förderung geht

Der 64-Jährige verweist auf die UN-Konvention, die besagt, dass jeder Behinderte das Recht habe, nach seinen Möglichkeiten zu leben. "Ich würde mir einfach wünschen, dass da ein Automatismus entsteht und sich die Kommunen an mich wenden, sobald ein Umbau geplant wird“, sagt Limke. Einfacher wäre das, wenn es in jeder Kommune einen Beauftragten für Behinderte gäbe, glaubt er. Seiner Ansicht nach darf diese Aufgabe nicht bei einem Vertreter für Senioren angesiedelt werden. „Senioren stehen ganz anders im Leben als Behinderte. Die haben gelernt, ihre Belange zu vertreten. Das ist bei Behinderten ganz anders“, sagt Limke, der selbst eine Gehbehinderung hat. „Ein behinderter Mensch weiß, was Behinderte brauchen.“ „Es besteht noch ein erheblicher Handlungsbedarf bezüglich der Barrierefreiheit“, heißt es auf Anfrage auch vom Kreis Vechta. Bei öffentlichen Gebäuden und sonstigen Baumaßnahmen, die ohne Bezuschussung des Landes oder Bundes um- oder neugebaut werden, wünsche sich die Kreisverwaltung eine größere Beteiligung. Im Zuge von Neu- oder Umbauten von öffentlichen Gebäuden und Verkehrsplätzen sollte darauf geachtet werden, dass diese behindertengerecht erstellt werden. Derzeit kommt der Kreis meist nur dann ins Spiel, wenn für die Förderung von Um- oder Neubauten durch Land und Bund eine Stellungnahme des Behindertenbeauftragten notwendig ist.

Meine Meinung

Verwundert von Linda Braunschweig Treppenstufen, keine Handläufe, fehlende Räume - wer mal darauf achtet, wird feststellen. wie schwer es Behinderte an vielen Stellen immer noch haben. Sicher, für manche FäIle lässt sich nicht vorbeugen. Aber wir leben im Jahr 2012. Dass es da weiterhin öffentliche Gebäude im Kreis Vechta gibt, die keinen Zugang oder Toiletten für Rollstuhlfahrer haben, verwundert.

Und zwar nicht deshalb, weil es für die Umsetzung solcher Maßnahmen eine UN-Konvention gibt. Sondern vielmehr, weil das inzwischen einfach selbstverständlich sein sollte. In den Köpfen der Menschen hat sich diesbezüglich in den vergangenen 20 Jahren Gott sei Dank eine Menge getan. In den Gebäuden offensichtlich nicht.

Ihre Meinung

Wird im Kreis genug für die Barrierefreiheit getan? Was meinen Sie? Uns interessiert Ihre Meinung zu diesem Thema. Diskutieren Sie mit unter www.ov-online.de bei www.facebook.de/OVonline Eine Auswahl der Beiträge wird regelmäßig in der Printausgabe der OV veröffentlicht. Kürzungen behalten wir uns vor.

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Pyrmonter Nachrichten vom 10.09.2012

Am Bordstein scheitert Ulrich Watermann

Dem Bordstein an der Severinstraße war Ulrich Watermann nicht gewachsen. "Ich bin nicht langsam genug gefahren, der Rolli verlor seinen Schwerpunkt und dann bin ich einfach umgekippt", schildert der SPD-Landtagsabgeordnete seine Havarie mit dem Rollstuhl.

Watermann hatte sich gemeinsam mit anderen Entscheidungsträgern im Rollstuhl auf den Weg gemacht, um die Stadt auf ihre Barrierefreiheit hin zu überprüfen. Das war Teil des Programms am ,,1. Tag der Barrierefreiheit", zu dem der Seniorenbeirat und der Behindertennbeirat am Samstag gemeinsam eingeladen hatten. Watermanns Sturz ging gut aus. "Der hat sich gut abgerollt", kommentiere SPD-Ratsmitglied Hans-Herbert Webel erleichtert. "Doch was ist mit Menschen, die nicht freiwillig im Rollstuhl sitzen und nicht so sportlich sind", fragt er besorgt. Watermann war nicht ohne Grund zügig an den Bordstein herangefahren, sondern wollte mit Schwung dessen Höhe meistern. Barrierefreiheit sieht anders aus.

Bei dieser Erfahrungstour des Behindertenbeirats und des Seniorenbeirats Bad Pyr-monts sollten Bürger und Politiker mit Rollstuhl und Rollator die Stadt erkunden und aus der Sicht von Betroffenen kennenlernen. "Wenn ich schräg mit dem Rollstuhl ranfahre, besteht immer die Gefahr, dass ich umkippe, sobald ich ein Rad in der Luft habe", weiß Gotthard Feist aus eigener Erfahrung. Der Vorsitzende des Behindertenbeirats im Landkreis Hameln-Pyrmont versucht es mit einer anderen Technik als Watermann. Er wendete seinen Rollstuhl und fuhr rückwärts direkt an die Steinkante heran. Dann drehte er mit viel Kraft die großen Hinterräder seines Rollstuhls nach hinten und zog ihn damit die Kante hoch. „Mit dem Rollator hat man nicht die Möglichkeit, sich hochzuziehen", gibt Olaf Heilig vom Sozialpädagogischen Zentrum Hameln-Pyrmont zu bedenken.

Während Dieter Schröder vom Behindertenbeirat und Bürgermeisterin Elke Christina Roeder im E-Rolli die Exkursion durch Bad Pyrmonts Straßen anfuhren, vergrößert sich der Abstand zu den Nutzern herkömmlicher RollstühIe und Rollatoren erheblich. Dass es ganz schon anstrengend ist, aus eigener Kraft einen Rollstuhl mit Inhalt fortzubewegen, merkt auch das Lügder Ratsmitglied Ute Schaper (CDU). Auf abschüssigen Wegen lasst sie sich lieber schieben, denn ihr ist etwas mulmig ob der fehlenden Bremsmöglichkeit.

Die Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) hingegen überlegt, sich anzuschnallen, als der Weg von der Brunnenstraße den Postweg hinunter führt. Am Fußgängerüberweg an der Bathildisstraße, gleich neben der Post, hakt es bei allen rollenden Teilnehmern. "Da sind wenige Zentimeter entscheidend' , erkennt Lösekrug-Möller. ,,Man möchte ja auch mal die Straßenseite wechseln", ergänzt Roeder, wäh-rend ihr Blick die lange Straße mit den hohen Bordsteinkanten entlang sieht.

Am Kirchweg 20 wird haltgemacht und wieder können die Hilfsmittel getauscht werden. Dort hat die Stadtverwaltung den Gehweg verbreitert, der durch Baumwurzeln kaum mehr begehbar war. Die Vorsitzende des Seniorenbeirats Annegret Webel lobt diese "vorbildliche" Sanierung. Dass unebene Wege nicht nur dem Rücken schaden, sondern auch gefährlich werden können, stellt die stellvertretende Bürgermeisterin Sieglinde Patzig-Bunzel (SPD) fest, die mit dem Rollator um ein Loch im Pflaster herum kurvt.

Der Holzhäuser Andreas Recker (51), der nach einem Schlaganfall vor zwei Jahren im E-Rolli sitzt, will nicht immer andere um Hilfe bitten. "Ich mochte Vieles alleine ma-chen. Doch Einkaufen in Geschäften mit Treppen geht gar nicht", sagt er. "Wir haben nach viele Barrieren in Bad Pyrmont", meint Dieter Schröder. Und die Vorsitzende Stefanie Maltzahn freut sich über die breite Unterstützung, durch die der Tag der Barrierefreiheit ermöglicht worden sei.“ Davon profitierten nicht nur Rollstuhlfahrer und Rollatorbenutzer, sonderndavon profitiert ein viel größerer Personenkreis", lobt der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen Karl Finke. Für Bürgermeisterin Roeder war die Erkundung eine gute Erfahrung. Die Beirate hatten etwas ins Rollen gebracht. Schritt für Schritt könne man nun beginnen, die als problematisch erkannten Stellen zu verändern.

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Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 04.12.2012

Gemeinsam Barrieren abbauen

Beim Aktionstag des Behindertenbeirats bekommt Bürgermeister Kolle eine besondere Einladung

Rollstuhlfahrer Julian Meyer, der gestern beim Aktionstag "Jede Barriere ist eine zu viel" die Moderation auf der Bühne am Marktplatz mit übernahm, hatte eine besondere Einladung für Bürgermeister Eduard Kolle parat:

"Fahren Sie doch mal im Rollstuhl mit mir durch die Stadt, um sich einen Eindruck zu verschaffen, welche Barrieren sich da auftun." Gute Idee, fand Bürgermeister Kolle, "das machen wir im Juni, da kann ich bestimmt noch neue Erkenntnisse gewinnen".

Die Veranstaltung auf dem Marktplatz hatte der Behindertenbeirat für Stadt und Landkreis im Vorfeld des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Men-schen mit Behinderung am 5. Mai ausgerichtet. Der Vorsitzende Winfried Kästner begrüßte Vertreter von Stadt und Kreis, von Einrichtungen sowie die Besucher. Mit dem Motto der Veranstaltung "wollen wir mit den Einrichtungen auch zeigen, was jetzt schon an Inklusion geleistet wird", sagte Kästner.

Grußworte von Verwaltung, Politik der Stadt sowie vom Schirmherrn der Veranstal-tung, Oberbürgermeister Ulrich Mägde, überbrachte Bürgermeister Kolle. Zweifelsohne sei jede Barriere eine zu viel, unterstrich er. Menschen mit Behinderung bräuchten größte Mobilität. Barrierefreiheit käme nicht nur ihnen zugute, sondern zum Beispiel auch alten Menschen mit Rollator oder Frauen mit Kinderwagen. "Und jeder kann in die Situation kommen, dass er in der Bewegung eingeschränkt ist."

Es müsse Anliegen sein, die Lebensbedingungen den Unterschieden der Menschen anzupassen. Der Behindertenbeirat sei dabei ein wichtiger Partner, wenn es um die Frage gehe: Was kann noch zur Teilhabe getan werden?

Zum bunten Programm stimmten dann die Old School Rockers mit Stücken wie "Get Back" und "Westerland" ein. Die "Krakelchen" eroberten die Gunst der Zuschauer mit dem Lied "Ich lieb den Frühling", und mit den Kooperationsklassen 3a und 3b der Igel-schule und der Schule am Knieberg ging es musikalisch auf Klassennfahrt. Der US-Sänger David Roth präsentierte seinen Song ,,nine gold medals", in dem es um den 100-Meter-Endlauf bei den Special Olympics geht - Schüler spielten das nach. Außerdem standen Spiele und Mitmach-Aktionen auf dem Programm, Einrichtungen informierten an Ständen über ihre Arbeit. So konnten zum Beispiel beim Rollstuhl- Basketball- Verein Kinder und Jugendliche im Rollstuhl Platz nehmen und versuchen, den Ball ins Netz zu werfen. "Gar nicht so einfach, da muss man tüchtig trainieren", fand Sascha. Der Elfjährige war mit Mitschülern und Lehrerinnen der Förderschule An der Schaperdrift zum Aktionstag gekommen - auch, um den Stand der eigenen Schule zu besuchen.

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Isernhagener Kreisblatt (IK) vom 12.04.2012

Gemeinsam durch die Schulzeit

Inklusion: Barbara della Monica spricht im IK-Interview über Veränderungen, die im Kopf beginnen

Am 21. März verabschiedete der Landtag die Inklusionsnovelle zum niedersächsi-schen Schulgesetz. Demnach können Kinder mit Behinderungen künftig die gleiche Schule besuchen wie nicht-behinderte Kinder. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung informiert der Behindertenbeirat heute Abend um 19 Uhr in der Scheune des Deutschen Hauses in Gifhorn über die Neuregelungen. IK-Mitarbeiter Alexander Täger sprach vorab mit der Vorsitzenden des Behindertenbeirates, Barbara della Monica. Sie teilt sich den Vorsitz mit ihrem Ehemann Hajo Hoffman.

IK: Die Inklusionsnovelle ermöglicht, dass Kinder mit Behinderungen künftig gemeinsam mit nicht-behinderten Kindern die gleiche Schule besuchen können. Ein großer Schritt Richtung Gleichbehandlung von behinderten Menschen?

della Monica: Das ist ein wichtiger Schritt, der auf Grund der UN Behinderten- Rechtskonvention notwendig ist. Leider kommt er recht spät. Andere Länder, auch an-dere Bundesländer, sind schon viel weiter als Niedersachsen. Wir freuen uns vor allem für die Eltern, die jetzt nicht mehr in der Position von Bittstellern sind.

IK: Absolventen von Förderschulen hatten in der Vergangenheit oft Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt. Erwarten Sie durch das Gesetz eine Verbesserung der Chancengleichheit?

della Monica: Langfristig wird das auf jeden Fall so sein. Der Umgang mit Menschen, die eine Behinderung haben, wird Normalität werden.

lK: Welche Erfahrungen mit Inklusion, beispielsweise in Kindergärten, gibt es bereits?

della Monica: Es gibt vielfältige Erfahrungen. In den zahlreichen integrativen Kinderta-gesstätten im Landkreis sind die Erfahrungen schon lange Zeit sehr positiv.

IK: Und was geschieht bei Eintritt ins Schulalter?

della Monica: Leider ist momentan noch bei vielen nach der Kita Schluss mit Integration. Dabei zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Kinder, die in Regelschulen gehen, bessere Entwicklungsfortschritte machen, als in Förderschulen. Aber nicht nur die Kinder mit Behinderungen profitieren von der Integration.

IK: Sind die Schulen überhaupt darauf ausgelegt?

della Monica: Das ist sehr unterschiedlich. Viele Schulen sind barrierefrei, bei anderen sind Investitionen nötig. In Meinersen sind alle weiterführenden Schulen barrierefrei, in Gifhorn ist das nicht der Fall. Es brauchen aber nicht alle Kinder mit Behinderungen große Umbauten.

IK: Ein Beispiel? della Monica: Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen oder geistige Entwicklung brauchen keinen Aufzug oder Behindertentoiletten. Wünschenswert wären aber mehr Gruppenräume. Dies gilt aber für alle Schüler.

IK: Welche Angebote im Bereich der schulischen Inklusion gibt es denn bereits im Landkreis Gifhorn?

della Monica: Es gibt in der Samtgemeinde Isenbüttel und der Stadt Gifhorn in den Grundschulen die sonderpädagogische Grundversorgung. Das heißt, Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, Sprache und emotionale Entwicklung gehen in die Regelschulen. Im Grundschulbereich gibt es derzeit fünf Integrationsklassen. Im Sekundarbereich ist uns nur die Integrationsklasse an der Hauptschule Meinersen bekannt, die sehr gut funktioniert. Daneben gibt es noch einzelne Schüler mit verschiedenen Behinderungen, die im normalen Unterricht mitlaufen und von einem so genannten Mobilen Dienst betreut werden.

IK: Sind die Lehrkräfte mit speziellen Schulungen vorbereitet worden oder werden Weiterbildungsmaßnahmen angeboten?

della Monica: Der Behindertenbeirat hatte im Oktober 2011 in Zusammenarbeit mit der GEW (Anm. d. Red.: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), dem Kreiselternrat und anderen eine Fachtagung, die auch als Fortbildung ausgelegt war, zu diesem Thema mit mehr als 130 Teilnehmern veranstaltet. Wir sind auch weiterhin bereit, zu helfen und zu informieren.

IK: Welche Angebote gab es außerdem?

della Monica: Das Kultusministerium hat viele Fortbildungen angeboten, allerdings bisher nur im Grundschulbereich und es gibt noch weitere Anbieter. Wer wollte, konnte sich informieren. Wichtig ist jedoch die Einbeziehung in alle Lehrerstudiengänge.

IK: Rückblickend betrachtet: Wie steinig war der Weg bis zur Inklusionsnovelle?

della Monica: Es war ein sehr langer Weg. Die Idee zu einem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Schülern ist schon sehr alt. Es existieren schon lange vor allem von Eltern getragene Initiativen. Auch in der bisherigen Schulgesetzfassung sollte der gemeinsame Unterricht die Regel sein, aber das war nicht die Realität.

IK: Wodurch änderte sich die Situation?

della Monica: Durch die UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 in Kraft trat, hat sich eine Dynamik entwickelt. Dennoch hat es mehr als zwei Jahre gedauert, ehe die Niedersächsische Landesregierung einen Gesetzentwurf vorgelegt hat.

IK: Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Novelle?

della Monica: Inklusion beginnt in den Köpfen. Hier sind bei Eltern, Lehrern, Schulverwaltungen und Politikern noch viele Barrieren abzubauen. Es wird wichtig sein, gute Gelingensbedingungen zu schaffen, beispielsweise eine ausreichende Anzahl von Förderlehrern, kleine Klassen und so weiter. Auf Dauer wird die gleichzeitige Existenz von Förderschulen und Inklusiven Schulen sehr teuer werden. IK: Und wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen – welche Erwartungen und Hoffnungen haben Sie?

della Monica: Unsere größte Hoffnung ist, dass in 10 bis 15 Jahren der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung etwas Selbstverständliches sein wird, dass Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen ganz selbstverständlich dazugehören und die Menschen sich fragen werden, warum dieses Thema im Jahre 2012 für Diskussionen sorgte.

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Wolfsburger Nachrichten (WN) vom 06.07.2011

Die ersten "Wohnschüler" haben bestanden

Raus aus dem behüteten Elternhaus, endlich eine eigene Wohnung. Für Menschen mit einer geistigen Behinderung jedoch ist dieser Schritt ins selbstbestimmte Leben oft viel zu groß. Mit dem Projekt "Wohnschule" soll sich das ändern. Die ersten Absolven-ten haben erfolgreich bestanden.

Zwei Jahre lang haben Britta Kempf, Lars Schulz, Daniel Nickel und Benjamin Gritzan die Wohnschule besucht. Jetzt halten sie stolz ihr Abschlusszertifikat in der Hand.

Es war die Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der Stadt Wolfsburg, Gudrun Kneiske-Spitzer, die die Idee der Wohnschule vorantrieb. Der Anstoß kam von einer Mutter. Was sollte aus ihrem Sohn werden, wenn sie einmal nicht mehr konnte? Da bliebe nur das Heim.

Dass es Alternativen gibt, zeigt diese Lebensschule, in der Behinderte, die noch bei den Eltern leben, selbst herausfinden dürfen, welche Lebensform sie sich für die Zukunft wünschen. Das gemeinsame Projekt von Stadt, Familienbildungsstätte und christlichem Jugendwerk macht es möglich.

In der Wohnschule, eine hübsch möblierte Drei-Zimmer-Wohnung der Neuland, haben die vier sich zweimal wöchentlich getroffen und die alltäglichen Dinge des Alltags geübt: die Waschmaschine befüllen, Einkaufszettel schreiben, Spiegeleier braten, staubsaugen, Freizeit planen, mit Geld umgehen und am Ende sogar allein in der Wohnung übernachten. Im neunten Stock eines Wohnblocks der Neuland in der Breslauer Straße drängen sich die Besucher und mittendrin die stolzen Absolventen. Britta Kempf, sie ist das große Vorbild, denn sie hat mittlerweile eine eigene Wohnung. Auch Lars Schulz hat viel erreicht. "Nach einem holprigen Start hast du dich großartig gemacht", lobt Uta Wolzien. Unterstützt hat ihn dabei Daniel Nickel, der die Wohnschule ganz souverän gemeistert hat und sogar 22 Tage alleine übernachtete. Jetzt ist er auf Wohnungssuche.

Benjamin Gritzan wird zwar nie alleine leben können, doch auch er strahlt vor Freude, als die Betreuerin ihn für seine "hervorragenden Leistungen lobt". Alle haben sich in dieser Zeit verändert, auch die Eltern, die gelernt haben, ihre Kinder loszulassen. "lch habe mich frei geschaufelt", sagt Marlies Nickel, die Mutter von Daniel. "Mein Sohn ist selbstständiger geworden, das ist sehr schön. Als er zur Probe wohnte, hat er mich zum Frühstück eingeladen und sogar gekocht. Das ist für mich eine ganz tolle Erfah-rung."

Auch der Vater von Lars ist stolz auf seinen Sohn. "Er ist selbstständiger geworden, das ist schön. Für Lars war es eine große Herausforderung. Dass er sie gemeistert hat und so viel Anerkennung bekommt, das tut ihm sehr gut." Viele Behinderte, so Axel Schulz, wüssten um ihre Defizite in der Gesellschaft und würden sich deshalb wenig zutrauen. Die Wohnschule hat das geändert.

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Sonntags-Zeitung Ammerland vom 02.12.2012

Argumente für die Wirtschaft

Infoabend soll Inklusion auch bei hiesigen Firmen zum Thema machen

Wenn man von Inklusion spricht, geht es fast immer um Schulen und Kindergärten und die Art und Weise, wie man Kinder und Jugendliche mit Behinderung hier einbeziehen kann. Doch Inklusion, die in einer Charta der UN zu den Rechten behinderter Menschen festgeschrieben ist, ist wesentlich umfassender. So bezieht die  lnklusion sämtliche Lebensbereiche mit ein - auch die Arbeitswelt. Eine Forderung, die jetzt der Ammerländer Behindertenbeirat nachdrücklich zum Thema machen möchte. Den Anfang macht ein Informationsabend am Montag, 10. Dezember,  im Kreishaus Westerstede. Harald Witthus hat es geschafft. Trotz seines Handicaps hat der 27-Jährige bei Bäcker- und Konditormeister Stefan Neteler eine Anstellung gefunden. Für 25 Stunden in der Woche arbeitet er seit Anfang des Jahres in der Backstube, hat feste Aufgaben zugeteilt bekommen, arbeitet auf dem sogenannten „Ersten Arbeitsmarkt“. Und Stefan Neteler ist begeistert: „Er ist engagiert, offen und interessiert. Und die Chemie im Team stimmt", erläutert er. Ein Praktikum war voraus gegangen, um die Fähigkeiten des neuen Mitarbeiters zu erkunden, und auch, ob eben besagte Chemie stimmt.

Für die meisten gehandicapten Menschen bleibt dies ein Glücksfall, fast wie ein Sechser im Lotto, weiß Andreas Retzlaff, Vorsitzender des Behindertenbeirates. „Viele junge Leute werden betreut ausgebildet, um dann überqualifiziert in betreuten Werkstätten zu landen. Sie konnten sich bei geeigneten Arbeitgebern durchaus auch in der freien Wirtschaft behaupten“, ist er überzeugt.

Nun gelte es auch, die Wirtschaft davon zu überzeugen, dass es Sinn macht, einen gehandicapten Menschen einzustellen. Rund 2000 Betriebe im Ammerland wurden angeschrieben und zu der Veranstaltung am 10. Dezember eingeladen. Untenehmen, die sich schon länger mit dem Gedanken beschäftigt haben, auch Menschen mit Behinderungen einzustellen, der findet hier gleich ein ganzes Heer von Fachleuten vor, die über die aktuelle Situation, aber auch über Fördermöglichkeiten und bisherige Erfahrungen informieren. So werden Vertreter des Integrationsfachdienstes ebenso Rede und Antwort stehen wie Fachleute der Agentur für Arbeit, des Job Centers und nicht zuletzt der Gemeinnützigen Gesellschaft für paritätische Sozialarbeit (GPS), die im Ammerland Werkstätten und Wohngruppen unterhält, aber sich auch für die Integration der bei ihnen betreuten Menschen ins Berufsleben einsetzt.

Gute Zusammenarbeit

Erfahrungsberichte auf Infoabend

Auch Harald Witthus lebt in einer solchen Wohngemeinschaft der GPS, genau über „seiner“ Bäckerei: „Die gute Zusammenarbeit mit der GPS war für mich auch einer der Gründe, diesen Versuch zu starten, denn sie vermittelt das Gefühl, dass man mit ihr im Problemfall rechnen kann. Und das ist für einen Arbeitgeber sehr wichtig“, so Stefan Neteler. Auch er wird auf dem Infoabend über seine Erfahrungen berichten und auch den einen oder anderen Tipp geben können. Neben den kurzen Vorträgen soll es auch genug Gelegenheit für Fragen und Anregungen geben. Noch bis zum Donnerstag, 6. Dezember, können sich interessierte Unternehmen und Firmeninhaber am besten per E-mail unter retzlaff.friedrichsfehn@t-online.de anmelden. Infos gibt es außerdem unter Telefon 0176/97303492.

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Oldenburgische Volkszeitung vom 04.12.2012

„Das war wie ein Sechser im Lotto“

Gestern startete die Aktionswoche für Menschen mit Behinderungen / Auch die Agentur für Arbeit ist dabei.

Lange Zeit suchte der schwerbehinderte Franz Remer einen neuen Job. Bis er ihn in Dinklage fand. Ein Beispiel für gelungene Integration.

Diagnose Darmkrebs. Für Franz Remer änderte sich alles. Er musste nicht nur seine Krankheit bekämpfen, auch das Unternehmen des Tischlers machte zu, zwei Jahre ist das her. Der Rechterfelder stand auf der Straße. Und das nach der OP als Schwerbehinderter.

Immer wieder klopfte er bei Tischlereien an, wollte arbeiten. "Ich bekam nur Absagen", so der heute 55-Jährige. Bis die Agentur für Arbeit in Vechta und das zuständige In-tegrationsamt in Oldenburg aktiv wurden. Sie vermittelten Remer in die Firma "WDM - Die Werkstatt" nach Dinklage. "Das war ein Sechser im Lotto", sagt der Tischler.

Remer ist kein Einzelschicksal. 464 schwerbehinderte Arbeitslose gibt es in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg, das sind anteilig 6,5 Prozent. 141 sind es allein im Kreis Vechta. Hinzu kommt, dass 60 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen über 50 Jahre alt sind. "Da gibt es von Seiten der Arbeitgeber oft Vorbehalte", sagt Carmen Kühling vor der Agentur für Arbeit. Deshalb gibt es besondere Programme und Forderungen für Schwerbehinderte. Die sind recht vielfältig. In einem speziellen Programm hat die Agentur vor Ort 27 Schwerbehinderte vermitteln können, finanziell kann sich so etwas für die Arbeitgeber durchaus lohnen. "Wir übernehmen Lohnkosten bis zu 36000 Euro," so Svenja Barz vom Integrationsamt.

Förderung ist auch notwendig, denn es gibt viele Vorurteile: Leistungsdefizite oder Unkündbarkeit zum Beispiel. Für Dieter Nuxoll von "WDM - Die Werkstatt" ist das Unsinn. Das Unternehmen hat sich auf Innenplanungen und Einrichtungen von Wohnungen und Büros oder Geschäften spezialisiert, und das im hochwertigen Bereich. Verlangt wird Individualität. Die Kunden sitzen in Hamburg oder Düsseldorf. Wer so etwas tut, braucht einfach Fachleute. Franz Remer ist einer. "Viele junge Tischler können unseren Ansprüchen nicht gerecht werden“, sagt Thomas Arkenberg, WDM-Unternehmensleiter. Auf Leute wie Remer kommt es an. 

Franz Remer: „Dann packen die Kollegen eben mal an.“

Ob sie nun schwerbehindert sind oder nicht. Er habe die Vorbehalte von Arbeitgebern nie verstanden, so Nuxoll. „Das ist das Manko der Gesellschaft.“ Das wichtigste sei die Erfahrung im Job - schwerbehindert oder nicht. Und genau so wichtig: Erfolg am Markt zu haben. Remer arbeitet in der Firma im Möbelbau, wie seine Kollegen auch. Mit dem Unterschied, dass Remer seit seiner Operation nicht mehr so schwer heben darf. Für das WDM-Team kein Problem: "Dann packen die Kollegen mit an", so der schwerbehinderte Tischler. Dafür hat Remer eben 40 Jahre Berufserfahrung vorzuweisen.

Fakten

Laut Agentur für Arbeit bieten Schwerbehinderte Fachkräftepotenzial: Die Hälfte von ihnen hat eine berufliche oder akademische Ausbildung.

Im Durchschnitt sind Schwerbehinderte 477 Tage lang arbeitslos. Geringer die Zahl bei Menschen ohne Behinderung: 344 Tage.

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Meppener Tagespost vom 14.07.2012

Arbeit für Menschen mit Behinderung

Walter Teckert legt Jahresbericht vor - Auch junge Leute sorgen vor

Der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der Stadt Meppen, Walter Teckert, hat eine Jahresbilanz seiner Arbeit vorgelegt. 165 Kontakte, 38 Beratungstage im Rathaus, mehr als 40 Hausbesuche: Teckerts Arbeit wird immer stärker nachgefragt.

Er erklärte, sein Aufgabengebiet werde immer vielfältiger. "Es kommen nicht mehr ausschließlich Menschen mit körperlicher Behinderung zu mir, sondern auch Men-schen ohne Behinderung, Senioren und auch junge Leute, die zum Beispiel fragen, wie sie ihr Haus so bauen können, dass sie auch im Alter darin leben können."

Einige Bauprojekte hat Teckert beim Bau begleitet oder begleitet sie noch. "Die Fußgängerzone wird einen Fortschritt für Menschen mit Behinderungen bringen", sagte er. Einige seiner Anmerkungen seien umgesetzt worden, wofür er den Behörden, vor allem aber Volker Arents vom Tiefbauamt danke.

Auch beim Umbau des Bahnhofs sei er eingebunden und erwarte eine deutliche Verbesserung "auch für Menschen, die ohne Behinderung nicht mehr so mobil sind". Für den Bahnhof habe er bisher rund 60 Stunden aufgewendet, sagte Teckert.

In vielen vorbereitenden Gesprächen hat er sich auch beim Einkaufszentrums MEP einbringen können und es in Details behindertennfreundlicher gemacht. In Gesprächen berät der Meppener Bauwillige oder Menschen, die aufgrund einer Behinderung umbauen müssen - immer häufiger auch weit über Meppen hinaus. Auch bei der Arbeitsvermittlung ist Teckert tätig, er besucht Seminare und ist Mitglied in fünf regionalen und überregionalen Räten für Menschen mit Behinderten, wodurch er gut vernetzt, aber auch vielfältig im Einsatz ist.

Arno Filies (CDU) dankte Teckert für sein herausragendes Engagement, das vor allem in Meppen die Situation für Behinderte verbessert habe. Karin Stief-Kreihe (SPD) schloss sich an, bemängelte aber, noch immer seien einige Geschäfte für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich. Dennoch: "Andere Kommunen sollten dem Beispiel folgen und einen Beauftragten wie Walter Teckert benennen."

Lob kam auch von den Grünen und der UWG. Katharina Temmen-Pohlmann (UWG) regte an, noch mehr für Menschen mit geistiger Behinderung zu tun. Teckert erwiderte, er sei auch in diesem Bereich stark engagiert.

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Pyrmonter Nachrichten vom 10.09.2012

Maltzahn: "Ständig positive Veränderungen"

Bad Pyrmonts neuer „Wegweiser für Menschen mit Behinderungen“ liegt vor

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber jetzt ist es vollbracht. Pünktlich zum 1. Tag der Barrierefreiheit konnte die Vorsitzende des Behindertenbeirats Bad Pyrmont, Stefanie Maltzahn, den neuen "Wegweiser für Menschen mit Behinderungen" vorstellen.

In Zusammenarbeit mit der Stadt ist eine handliche Informationsbroschüre im DIN A5-Format als Orientierungshilfe für ein barrierefreies Leben in Bad Pyrmont entstanden. Auf 36 Seiten werden die Räumlichkeiten öffentlicher Einrichtungen, Vereine und Verbände, Arztpraxen und Freizeitmöglichkeiten auf ihre Erreichbarkeit mit dem Rollstuhl oder Rollator unter die Lupe genommen. Symbole helfen dem potenziellen Nutzer dabei, zu klären, ob oder mit wie vielen Hindernissen er zu rechnen hat. Ein Stadtplan Bad Pyrmonts über eine Doppelseite, mit eingezeichneten behindertengerechten Parkplätzen und WC-Anlagen, erleichtert das Zurechtfinden in der Stadt.

"Ich möchte die Menschen ermutigen anzurufen", sagte Maltzahn, denn allen Adressen sind Telefonnummern beigefügt. Das Heft könne als aktuelles Branchenbuch gelesen werden. Es sei aber kein Leitfaden für Arztpraxen oder Einrichtungen, die sich im Umgang mit behinderten Menschen als besonders geeignet erwiesen haben, stellt sie fest. Die für den Wegweiser Befragten seien in ihrer Selbsteinschatzung eher selbstkritisch. Doch oft gebe es Nebeneingange, die zwar der Norm nach nicht als "behindertengerecht" gelten, aber doch "behindertenfreundlich" seien. Der Tierpark und der Kurpark seien auf jeden Fall gute Ausflugsziele für Behinderte. Da überall begonnen wird "die UN-Konvention auf Barrierefreiheit bis 2017" umzusetzen, gebe es ständig positive Veränderungen.

Als behindertengerechte Räume gelten Türbreiten über 90 Zentimeter, Ebenerdigkeit ohne Schwellen und ein Aufzug mit den Mindestmaßen1,20 mal 1,40 Meter oder eine geeignete Rampe. Wer nicht im Rollstuhl sitzt, der kann trotz Handicap oft eine gewöhnliche Toilette benutzen, weil er das Waschbecken nicht unterfahren muss. Wer Haltegriffe benötigt, ist auf eine Behindertentoilette angewiesen, ebenso wie Men-schen, die unsicher auf den Beinen sind.

Die Broschüre kann demnächst auch als Fassung für Menschen mit einer Sehbehinderung von der Internetseite des Behindertenbeirats heruntergeladen werden. Die Broschüre ist für eine Schutzgebühr von 1 Euro im Rathaus zu erhalten, das übrigens als behindertengerecht gilt.

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Osnabrücker Sonntagszeitung vom 28.10.2012

„Ohne Angst verschieden sein"

Auf Initiative des Behindertenbeirates des Landkreises Osnabrück wurde bis Donnerstag vergangener Woche die Ausstellung "Ohne Angst verschieden sein" im Kreishaus gezeigt. Diese vom Sozialverband Deutschland (SoVD) gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisierte Wanderausstellung zeigte das Leben von Menschen mit Behinderungen und den Umgang der Gesellschaft mit ih-nen im Wandel der Zeit. Zur Eröffnung der Ausstellung wies die stellvertretende Landrätin Susanne Breiwe auf einen wichtigen Ansatz der Integration hin: "AIle Menschen müssen integriert werden. Ihnen die Teilnahme an unserer Gesellschaft zu ermöglichen, ist kein Luxus sondern Notwendigkeit". Breiwe ging bei ihrem Grußwort auch auf das düstere Kapitel deutscher Geschichte ein, bei dem hunderttausende Erwachsene und Kinder, geistig und körperlich Behinderte sowie psychisch kranke Menschen dem NS- Regime zum Opfer fielen.

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Wolfsburger Kurier vom 29.08.2012

Wassersportspektakel am Wochenende im Autostadt-Hafenbecken

Menschen mit und ohne Behinderung in einem Drachenboot

Am Wochenende ist es wieder soweit: Das diesjährige Drachenbootrennen um den „The Ritz-Carlton Cup“ im Hafenbecken der Autostadt bietet am 1. und 2. September Wassersport mit Spaß und Spannung.

Neben dem "The Ritz-Carlton Cup" werden weitere Pokale ausgefahren. Am Samstag startet das Spektakel ab 13 Uhr mit der Begrüßung und Drachenerweckung. Am Sonntag beginnen die Pokal-FinalIäufe ab 10 Uhr. Als Neuerung findet in diesem Jahr ein Nachtrennen um den Innovations-Pokal am Samstagabend ab 21.30 Uhr statt. Hierbei treten die Teams im Hafenbecken mit beleuchteten Booten auf einer auf 130 Meter verkürzten Strecke an. Erstmalig wird in diesem Jahr auch ein "inklusives", also ein gemeinsam mit behinder-ten und nicht behinderten Sportlern besetztes Drachenboot starten. In Kooperation mit dem Inklusionsprojekt "LinaS" www.linas-lingen.de wird der Behindertenbeirat Wolfs- burg  e.V. (BBR-Wob) gemeinsam mit einem inklusiv besetzten Drachenboot aus Lingen an den Start gehen. Das geschieht auf Initiative des BB-Wob und mit Unterstützung des StadtSportBundes Wolfsburg. Der Veranstalter "The Ritz-Carlton" unterstützt dieses Projekt.

"Das gemeinsame Sporttreiben von Menschen mit und ohne Behinderungen tragt nicht nur zum körperlichen und psychischen Wohlbefinden bei, sondern ist auch ein wichtiger Beitrag zum Abbau von Vorurteilen, Berührungsängsten und sozialer Distanz. Inklusiver Sport fördert die gegenseitige Akzeptanz, Toleranz und Kooperation", schreibt der Behindertenbeirat Wolfsburg in einer Presseinformation.

Ziel dieser Aktion soll es sein, Impulse für weitere nachhaltige inklusive Sport- und Freizeitprojekte in Wolfsburg und Umgebung zu geben und so das Thema Inklusion im Sport voranzutreiben. ,,2012 ist für London das Jahr der Olympischen und Paralympischen Spiele und für Niedersachsen das Jahr der Inklusion. Für Wolfsburg könnte es das Jahr sein, in dem der Inklusionsgedanke von den Wolfsburger Sportvereinen bewusst aufgegriffen und nachhaltig umgesetzt wird", so die Presseinfo. Insgesamt treten 70 Mannschaften beim Drachenbootrennen an. Mit dem Startsignal "Ready-attention - go!" werden die Drachenboote zum Takt der Trommeln über das Wasser gleiten. Im vergangenen Jahr nahmen über 1.500 SportIer an der Veranstaltung teil und rund 20.000 Schaulustige kamen dafür in die Autostadt.

Auf dem Gelände am Hafenbecken der Autostadt und rund um das „The Ritz-Carlton“ wartet ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit vielen kulinarischen Angeboten. Das Kinderprogramm bietet zudem die passende Betreuung für die kleinen Gäste.

Am Samstagabend sorgt die After-Race-Party für Stimmung. Nach der Siegerehrung am Sonntagnachmittag gegen 16.30 Uhr werden Teams und Sportler gefeiert und die Gäste können das Wochenende gemeinsam ausklingen lassen. Weitere Infos unter www.drachenboot-wolfsburg.de Der Drache ist in der chinesischen Kultur ein besonderes Tierkreiszeichen. Im Jahr des Drachens nimmt das Ritz-Carlton seine Gäste mit auf eine kulinarische Reise in den fernen Osten: Von der Dim Sum Kochklasse (3. und 10. September) über das Huo Yan Barbecue (1. und 8. September) auf der Terrasse und der Shanghai Night (7. September) in der Newman's Bar bis zum Yu Brunch geht die Reise.

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NB vom 24.06.2012

Festival "einzigARTig"

Programm im Staatstheater und auf dem Platz der Deutschen Einheit

Der Behindertenbeirat Braunschweig veranstaltet am Dienstag (26. Juni) sein drittes Handicap-Festival "einzigARTig". Der Tag steht unter dem Motto der UN-Behindertenrechtskonvention "Gemeinsam miteinander (Inklusion)".

Neben dem Festival im Großen Haus des Staatstheaters gibt es ein Rahmenprogramm. Auf dem Platz der Deutschen Einheit singen, tanzen und spielen von 11 bis 16 Uhr behinderte und nichtbehinderte Menschen gemeinsam. Vereine und Schulen laden zu Mitmachaktionen ein. Im Kaffeezelt gibt es Selbstgebackenes.

Auf dem Programm des Festivals "einzigARTig" ab 19.30 Uhr im Großen Haus stehen Künstler mit Handicap aus Förderschulen und Vereinen gemeinsam mit Künstlern aus der Braunschweiger Kulturszene. Sie musizieren, tanzen und singen. Stargast bei der Gala ist der taubstumme Tänzer Tobias Kramer, Drittplatzierter bei der RTL-Show "Das Supertalent".

Entstanden ist die Vision von einem Festival bei den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Behindertenbeirates im Jahr 2009. Im Rahmenprogramm traten junge behinderte Menschen mit Gesang, Tanz und Theater auf. Die Organisatoren waren sich einig, dass diese erlebte Freude und Energie einen besonderen Rahmen verdient haben.

Dank der großzügigen Unterstützung des Staatstheaters bei der kostenfreien Überlassung des Kleinen Hauses konnte das interaktive Projekt "einzigARTig" entstehen. Leitmotiv dieses Projektes ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zur Inklusion. Hierbei geht es um die Gleichstellung behinderter und nichtbehinderter Menschen in der Gesellschaft. Dieses Projekt hat den Anspruch, ein Podium für behinderte Künstler zu schaffen, um sie in die Kulturszene zu integrieren. Aus diesem Gedanken heraus entstand 2010 das erste Handicap-Festival.

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Landeszeitung Lüneburg vom 03.12.2012

Viel Spaß beim Rollstuhltanz

Tag der Menschen mit Behinderung in Adendorf

Es war 1993, als die Vereinten Nationen den 3. Dezember zum "Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen" ausriefen. Fast genauso lange, nämlich seit 1996, wird dieser Tag in Adendorf gefeiert - auch gestern, als die Behindertenbeauftragte Marianne Krause und die integrative Gruppe "Du und ich" wieder ins TSV-Sportheim eingeladen hatten.

Bürgermeister Thomas Maack (SPD) begrüßte die Gäste, die aus verschiedenen Gemeinden des Landkreises gekommen waren, in Adendorf. Er lobte die langjährige Behindertenbeauftragte Krause: "Mit ihr haben wir jemanden, der sich einsetzt, bohrt, nervt und unterstützt." Gekommen war auch die Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock (CDU), die sagte: "Was ich mir wünsche ist, dass mehr Menschen mit Behinderung, die das leisten können, in die Parlamente kommen." Die Grüße des Landkreises überbrachte die stellvertretende Landrätin Elke Stange (SPD).

Dass Tanzen sehr wohl auch im Rollstuhl möglich ist, zeigten dann Angela Krause, Rosemarie Krause und Rika Stückrath, die sich zu "New York" und zum "Eiermann" drehten. Wolfgang Scheffler mit seinem Akkordeon sorgte für die musikalische Unterhaltung. Kaffee, belegte Brote, Kuchen und eine große Tombola machten den vergnüglichen Nachmittag komplett.

Marianne Krause hat in Adendorf unter anderem die Gruppe "Du und ich", bestehend aus behinderten und nichtbehinderten Menschen, aus der Taufe gehoben. Die trifft sich regelmäßig zum Kegeln (1. Mittwoch im Monat, 16 bis 18 Uhr), Klönen (2. Montag im Monat) und zum Rollstuhltanz (jeden Freitag, 14.30 bis 15.30 Uhr). Dazu kommen auch gemeinsame Ausflüge. Näheres über diese Angebote gibt es bei Krause unter 04131/180362.

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HNA – Northeimer Neuste Nachrichten vom 08.05.2012

Gegen Barrieren im Kopf

Inklusionsfest mit vielen Behinderten-Gruppen in Northeims Alter Brauerei

„Jede Barriere ist eine zu viel" und „Jeder Schritt zählt". Das waren die Leitsatze für das erste Northeimer Inklusionsfest in der Alten Brauerei. Inklusion bedeutet "Einbeziehung", und darum geht es auf der Tour 2012 vom amerikanischen Gitarristen David Roth, der nach Veranstaltungen in Lüneburg und Hannover in Northeim Halt machte. Zusammen mit Volker Brückner tritt er ein für Barriere-Freiheit auf Straßen, in Gebäuden, im öffentlichen Nahverkehr und nicht zuletzt in den Köpfen. Ziel ist es, dass Menschen mit Sinnes- und Lernbehinderungen gleichberechtigt am Leben teilhaben können. Die Northeimer Veranstaltung wurde von vielen Behinderten-Gruppen mit getragen, über deren Arbeit man sich informieren konnte.

Auf der Tour wird David Roth vom Gitarristen Ian Melrose unterstutzt. Die beiden spielten nach einigen lautstark gefeierten Solostücken „ Knockin' on Heaven's Door" zusammen mit den "LautSiders".

Zuvor hatte diese ebenso begeistert aufgenommene Rockband der Harz-Weser-Werkstatt Northeim "Passenger" und „Lady in Black" gespielt.

Schießen ohne Arme

Weiterer Höhepunkt war ein Interview mit dem Contergan-Geschädigten Josef Giesen, der trotz seiner verkümmerten Arme und Hände viele Medaillen im Biathlon bei den Paralympics und bei Europa- und Weltmeisterschaften errungen hat. Einige Festbesucher spendeten ihm nach der Vorführung einer Schießübung zusätzlichen Applaus, als er geschickt die Decke, auf der er gelegen hatte, mit dem Fuß zusammenlegte und auf die Schulter schleuderte. Viele Geräte hat Giesen selbst entworfen, zum Beispiel ein Schuh mit einem Körbchen vorne dran, mit dem er boßeln kann.

Der Tagestreff Gillersheim stellte die Szenen des Lieds „Nine Gold Medals" nach. In dem Song geht es um einen Wettlauf bei den Special Olympics. Im Schlussspurt stürzt einer der Läufer. Die anderen acht Teilnehmer kehren um und helfen ihrem Konkurrenten auf die Beine. Dann gehen alle neun Hand in Hand über die Ziellinie und bekommen alle eine Gold-medaille. Danach traten das Schwarzlicht-Theater der Harz-Weser-Werkstätten und die Theatergruppe der Lebenshilfe Northeim auf.

Schirmherr Bürgermeister Harald Kühle bedauerte, dass es nicht geklappt hatte, das Inklusionsfest auf dem Münsterplatz stattfinden zu lassen. „Eine solche Veranstaltung gehört mitten in die Stadt, damit aIle Bürger angesprochen werden können." Brückner nahm Kühle beim Wort und nannte schon mal einen Termin für 2013. Die Tour 2012 führt noch nach Lemgo und Berlin.

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Neue Westfälische Zeitung vom 11.05.2012

Einsatz für behinderte Menschen

Angebot Aktionswochenende Rhododendronpark Hobbie mit Rahmenprogramm

Die Besucher dürfen sich auf Musik und Tanzvorführungen freuen. Auch die Sängerin Margitta gibt ein Konzert.

Menschen mit Behinderungen und Einrichtungen, die sich in diesem Bereich engagieren, stehen im Mittelpunkt des nächsten Veranstaltungswochenendes im Rhododendronpark Hobbie in Linswege/Petersfeld. Am Sonnabend, 12., und Sonntag, 13. Mai, wird das riesige, 70 Hektar große Parkgelände einmal mehr zu einer großen Ausstellungsfläche. Unter dem Motto „Mensch im Park“ werden verschiedene Organisationen ihre Einrichtungen vorstellen. Die gemeinnützigen Werkstätten bieten an Verkaufsständen ihre Waren an wie z.B. Gartenmöbel, Feuerkörbe, Grills, Holzspielzeug, Dekorationselemente und dergleichen mehr.

Auch für ein umfangreiches Kinderprogramm hat Familie Hobbie gesorgt. Unter anderem wird eine Waldrallye angeboten und ein Spielparcours aufgebaut.

Das Bühnenprogramm startet am Sonnabend um 14.30 Uhr. Zu Gast sein werden der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Kossendey (MdB), Sozialdezernent Ingo Rabe, stellvertretender Bürgermeister Heino Hots und Landtagsabgeordneter Jens Nacke. Der Frauensingkreis Westerstede unterhält die Gäste musikalisch. Die Moderation übernimmt der Vorsitzende des Behindertenbeirats des Landkreises Ammerland, Andreas Retzlaff.

Um 16 Uhr folgt ein Livekonzert. Die Band „Four Accord“ spielt bekannte amerikanische Songs aus den Bereichen Jazz und Swing. Zum Einsatz kommt dabei auch ein Akkordeon.

Am Sonntag beginnt um 10 Uhr ein Open-Air Gottesdienst mit Posaunenchor und den Gospelsouls Ihausen. Danach tritt die Band Kokolores von der Stiftung Waldheim auf, und um 15 Uhr zeigen Ballettgruppen von Gisela Dembinksi-Stephan ihr Können.

Zu den Höhepunkten des Rahmenprogramms gehört im Anschluss ein Konzert mit Margitta. Die aus Funk und Fernsehen bekannte Schlagersängerin, die in der Stadtge-meinde Westerstede zu Hause ist, will in ihren Liedern von der Liebe und dem Leben erzählen.

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