Presseinformationen
Presseinformation vom 20.04.2001
Kinder sind zunächst einmal Kinder, egal ob behindert oder nichtbehindert
Integrationsperspektiven ausbauen statt infrage stellen
Der Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen, Karl Finke, beurteilt die Äußerungen des stellvertretenden CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden Bernd Busemann zur schulischen Versorgung von Kindern mit Behinderungen als Stimmungsmache gegen gemeinsamen Unterricht für behinderte und nichtbehinderte Kinder.
"Die Niedersächsische Landesregierung geht mit "Lernen unter einem Dach" Schritt für Schritt den Weg der schulischen Integration behinderter Kinder und hat dafür meine Unterstützung", betont Finke. Es gebe in Niedersachsen immer noch weit mehr Eltern, die Integration für ihre Kinder wünschten, als entsprechende Angebote vorhanden seien. Finke ist davon überzeugt, dass langfristig der Weg der Integration für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf derjenige sei, der allen Kindern die besten schulischen Entwicklungsmöglichkeiten biete. In diesem Zusammenhang weist Finke auf eine Untersuchung der Universität Hamburg hin, die ergeben habe, dass - zumindest in Hamburg - Schüler der Hauptschule bei gleicher intellektueller Ausgangslage bessere Schulleistungen erbringen als vergleichbare Schüler an "Förderschulen?. "Kinder sind zunächst einmal Kinder und lernen in hohem Maße voneinander", so Finke. "Die künstliche Trennung der Lernwelten von behinderten und nichtbehinderten Kindern schließt wechselseitiges emotionales, soziales und kognitives Lernen aus."
Busemann und der CDU-Schulexperte Klare griffen einzelne tatsächlich bestehende Mängel in der Unterrichtsversorgung heraus, um den Eindruck zu erwecken, die ganze schulpolitische Richtung der Kultusministerin in Bezug auf Kinder mit Behinderungen sei falsch. Im Gegensatz dazu hält Finke fest: "Die Richtung stimmt, auch wenn ich mir mehr Dynamik für Integration wünsche."
Anscheinend hätte Busemann das Konzept "Lernen unter einem Dach" noch nicht verstanden, wenn er vergleichende Zahlenspiele zwischen Integrationsklassen und sonderpädagogischer Grundversorgung anstelle. Mit der sonderpädagogischen Grundversorgung werde endlich eine Integrationsperspektive für diejenigen Kinder eröffnet, die den größten Teil aller behinderten Kinder ausmache: Für Kinder mit Lern-, Verhaltens- und Sprachproblemen.
"Busemann und Klare sind offenbar Verfechter eines antiquierten Schulkonzeptes, das die weitere Zementierung des Sonderschulwesens zur Folge hat", so Finke. Er halte im Gegensatz dazu am im Schulgesetz verankerten Vorrang des integrativen Unterrichts als richtige Orientierung fest.


