Presseinformationen
Presseinformation vom 31.10.2006
32. Treffen der Beauftragten für behinderte Menschen und der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) am 24./25. Oktober 2006 in Rostock
Das Herbsttreffen der Beauftragten für die Belange behinderter Menschen und der BAR fand am 24./25. Oktober 2006 in Rostock statt. Schwerpunktthemen des Treffens waren die Arbeitsmarktsituation und Pflege schwerbehinderter Menschen, die Inklusive Bildung sowie die Barrierefreiheit als Grundvoraussetzung zur Integration und Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben.
Job 4000
Programm zur besseren beruflichen Integration besonders schwerbehinderter Menschen
Diskussionsschwerpunkt der Tagung war das "Persönliche Budget" . Die Beauftragten für behinderte Menschen befürworten die bundesweit und insbesondere im Rahmen des Modellprojektes des Bundes unternommenen Anstrengungen für die Erprobung "trägerübergreifender Persönlicher Budgets" . Angesichts der zögerlichen Inanspruchnahme der neu geschaffenen Möglichkeit, Geld- statt Sachleistungen zur Verfügung zu stellen, appellieren sie an alle Beteiligten und hier vor allem an die Rehabilitationsträger, sich noch stärker für die Erprobung dieses neuen Instrumentes mit dem Ziel einer "Teilhabe aus einer Hand" einzusetzen.
Mit dem vorliegenden Programm soll die berufliche Integration schwerbehinderter Menschen vorangetrieben werden. Das Programm "Job 4000" ist Teil der erfolgreichen Initiative "job - Jobs ohne Barrieren" , die die Bundesregierung 2004 ins Leben gerufen hat. Es enthält wesentliche Anreize für Arbeitgeber zur Einstellung und Ausbildung schwerbehinderter Menschen.
Die Beauftragten begrüßen die Initiative der Bundesregierung, zu mehr gleichberechtigter Teilhabe am Arbeitsleben für schwerbehinderte Menschen beizutragen, als wichtigen Impuls.
In diesem Zusammenhang diskutierten die Beauftragten auch die zunehmenden Probleme hinsichtlich der Vermittlung von Arbeitsplätzen bzw. Verbleib psychisch/seelisch behinderter Menschen in und an ihren Arbeitsplätzen. Sie fordern mehr Verständnis, spezielle Instrumentarien und Aktivitäten auch für diese betroffenen Menschen.
Pflege von Menschen mit schweren Behinderungen
Die Beauftragten für behinderte Menschen berieten über die Bedürfnisse pflegebedürftiger behinderter und alter Menschen, deren Zahl stetig ansteigt. 70 % dieser Menschen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt und betreut. Um die pflegerischen Aufgaben erfüllen zu können, gibt ein großer Teil dieser Pflegepersonen seine Erwerbstätigkeit auf, was oft nicht nur einen Einkommensverlust sondern dauerhafte Arbeitslosigkeit nach sich zieht, weil es keinen Anspruch auf Rückkehr an den Arbeitsplatz gibt. Die Beauftragten für die Belange behinderter Menschen empfehlen deshalb, im Gesamtkonzept für die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung eine Pflegezeitregelung zu schaffen.
Die Behindertenbeauftragten begrüßen die Vereinbarung der Bundesregierung mit der Wirtschaft zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie sehen darin eine positive Weiterentwicklung, die häusliche Pflege behinderter und älterer Menschen zu fördern und damit stationäre Unterbringung zu vermeiden
Inklusive Bildung
Die Beauftragten für behinderte Menschen hatten bereits bei ihrem 27. Treffen die Perspektiven des gemeinsamen Unterrichts und der gemeinsamen Erziehung erörtert und danach die Forderung erhoben, dass der gemeinsame Unterricht und der Umgang mit Behinderungen und die Kooperation mit Unterstützungssystemen Teil der Schulprogramme an jeder Schule sein sollte. Mehr als zwei Jahre danach stellt der erste durch die Kulturministerkonferenz (KMK) in Auftrag gegebene Bericht "Bildung in Deutschland 2006" keine Fortschritte fest. Noch immer weist er die geringe Zahl von 12 % beim gemeinsamen Unterricht von behinderten Kindern und Jugendlichen mit nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen aus. Die Übergangszahlen von der Sonder- in die allgemeine Schule sind nach wie vor verschwindend gering.
Aus diesem Grund erneuern die Beauftragten für behinderte Menschen ihre Forderung nach inklusiver Bildung einschließlich gemeinsamer Erziehung. Sie fordern die Kultusminister auf, die gemeinsame Erziehung und Bildung voranzutreiben. In jedem Land sollte ein Zehnjahresplan zur Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts entwickelt werden, um das Prinzip der integrierten Pädagogik zu realisieren.
Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass Studierende mit Behinderung / chronischer Krankheit wie andere Studierende die Möglichkeit haben müssen, die Hochschule aus fachlichen Gründen frei wählen und ggf. wechseln zu können, ohne ein zusätzliches Nachweisverfahren. Aufgrund unterschiedlich entwickelter barrierefreier Strukturen am Hochschulort können Studierende mit Behinderung nicht ohne Weiteres auf eine studiengebührenfreie Hochschule ausweichen.


